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Schülerinnen informieren sich über technische Berufe
24 Mädchen der Liebfrauenschule und der Bilharzschule Sigmaringen beteiligen sich seit September an Girls' Day Akademie. Nach der ersten Projektphase zieht das Organisationsteam eine durchweg positive Bilanz.
Sigmaringen – Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Rund 70 Prozent der Schulabgängerinnen wählen zwischen lediglich zehn Lehrberufen aus, und die sind in aller Regel „typisch weiblich“. Ganz vorne mit dabei ist die Einzelhandels- und Bürokauffrau, dicht gefolgt vom Beruf der Friseurin und der Verkäuferin. „Diese Wahl schmälert die späteren Aufstiegs- und Verdienstchancen“, sagt Claudia Baur. Es gehe darum, nicht nur das Auswahlspektrum zu erweitern, sondern insbesondere Einblicke in zukunftsorientierte Berufsfelder in Technik, Handwerk, Ingenieur- und Naturwissenschaften zu gewinnen, so die Frauenbeauftragte des Landkreises Sigmaringen und Koordinatorin der „Girls' Day Akademie“.
Genau diese Chance nehmen seit Anfang September Schülerinnen der Realschule an der Liebfrauenschule, der Bilharzschule sowie der Hauptschule Laiz wahr. Anders als beim Girls' Day, der jährlich im April stattfindet, erstreckt sich das Projekt über ein ganzes Schuljahr und umfasst eine Vielzahl an Angeboten. Betriebsbesichtigungen, Präsentationskurse und Workshops gehören ebenso dazu wie Praktika und Bewerbungstrainings. In Startseminaren wurden die Mädchen zunächst intensiv auf das Projekt vorbereitet. „Und zwar ohne Noten und Leistungsdruck“, betont Anni Kramer von der Kinder- und Jugendagentur ju-max. Die Projektmitarbeiterin ist gerade dabei, die Veranstaltungen für das kommende Jahr zu planen – und sucht weitere Kooperationspartner. „Über Ingenieurinnen und andere Fachfrauen aus technischen und naturwissenschaftlichen Berufen, die von ihrer Arbeit berichten möchten, würden wir uns ganz besonders freuen“, so Kramer.
„Wir sind schon seit vielen Jahren beim Girls' Day mit dabei, warum dann nicht auch bei der Girls' Day Akademie?“, sagt Roland Boos von der Gühring oHG in Latz, führender Anbieter von rotierenden Zerspanungswerkzeugen. Der Leiter der technischen Ausbildung betrachtet es zudem als Herausforderung, den Mädchen „die Technik nahe zu bringen“. Das Unternehmen zeigte sich auch in der Vergangenheit grundsätzlich offen für technikbegeisterte Mädchen. „Die haben immer super Abschlüsse, eine wurde sogar Kammerpreisträgerin“, erzählt Roland Boos stolz, „und wenn sie zuhause nicht die nötige Unterstützung erhalten, dann kriegen sie sie von mir“. Die ersten Projekttage waren ein voller Erfolg. Für Boos ist klar, dass das Unternehmen aufgrund der demografischen Entwicklung zukünftig verstärkt technisch interessierte junge Frauen brauchen.
Davon ist auch Barbara Knobloch überzeugt. Die Personalmanagerin der Firma Schäfer GmbH – ebenfalls in Laiz ansässig und führender Hersteller von Bedien- und Anzeigetableaus für Aufzüge – machte den Mädchen beim Werksbesuch Mut, neue Herausforderungen voller Neugierde anzunehmen. „Ihr müsst immer wissen, was ihr wollt und das auch klar zum Ausdruck bringen“, so Barbara Knobloch, „das ist auch beim Bewerbungsgespräch sehr wichtig“. Die „Girls' Day Akademie“ läuft über das ganze Schuljahr weiter und wird vom Wirtschaftsministerium aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Landes-Kofinanzierungsmitteln gefördert.
Südkurier 04.01.2010
Girls`Day Akademie Landkreis Sigmaringen
Eine Kurzbeschreibung
Eine Girls`Day Akademie
ist ein Angebot für Mädchen in Haupt- und Realschulen und kontnuierlich eines ganzen Schuljahres.
-findet i.d.R. einmal pro Woche machmittags statt.
-wird in den Schuljahren
- 2009/2010
- 2010/2011
- 2011/2012 anbegoten
- Wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg gefördert (Gesamtsumme für den Förderzeitraum: ca: 100000 €)
Ziele:
- Interesse an den Bereichen Technik und Naturwissenschaften fördern
- Mädchen beginnen Ausbildung in einem geschlechstsuntypischen Beruf
- Ergänzung und Verstetigung des Girls`Day
Eckdaten:
- 120 UE/Schuljahr
- zusätzlich freiwillige Workshops in den Herbst- und Osterferien, evtl. schulartübergreifend
- Fördermittel für Honorar-und Sachkosten pro Gruppe und Schuljahr: ca 8000 Euro
Inhalte: je ca. ein Drittel (ca. 40 UE)
- Projekte und Unterrichtseinheiten zur Technikorientierung (Energie, Umweltschutz, Mechanik ...)
- Firmenbesuche, Praktika
- Seminare zur Kommunikation, Präsentation, Teamtraining, Selbstbehauptung, Bewerbungstraining
teilnehmende Schulen 2009/2010
- Liebfrauenschule Sigmaringen (Realschule)
- Brechenmacherschule Bad Saulgau und Bilharzschule Sigmaringen (Hauptschule)
Kooperationspartner
- Berufschulzentrum Bad Saulgau bzw. Sigmaringen
- Hochschule Albstadt- Sigmaringen
- Betriebe vor Ort
Anforderungen an die teilnehmenden Schulen:
- Freistellung einer Lehrkraft als feste Ansprechperson vor Ort
- Räumlichkeiten stellen (Klassenzimmer, ggf. Technikraum)
- Kooperation Kommune
- Mitarbeit bei Elternarbeit und Öffentlichkeitsarbeit
- Mitarbeit bei der Erstellung eines Nachhaltigkeitskonzepts
Durchführung und Organisation:
Landratsamt Sigmaringen, Fachbereich Jugend/Kinder- und Jugendagentur ju-max und Frauenbeauftragte
Rückfragen bei:
- Claudia Baur, Tel. 075711025190 claudia.baur@LRASIG.de
- Dietmar Unterricker, Tel. 07571 645332
